Bali Teil 3

G’day Mates!

Letztes Jahr (Juni 2016) war ich in Bali. Ich hatte vor, dort für vier Wochen zu bleiben und im Rahmen einer Freiwilligenarbeit Land und Leute kennenzulernen. Was ich dort erlebt habe, erzähle ich euch im heutigen Post.

Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Planung | Fazit

Am Mittwoch hatten wir um halb zehn unseren Kochkurs. Wir gingen zu dem „Reisfeldhaus“ und fleißige Helferchen hatten auch hier wieder ganze Arbeit geleistet: Entlang der einen Seite des Hauses waren kleine Tischchen aufgestellt worden, an denen wir uns zu viert hinsetzten und schon Bretter und Messer vorfanden. An der Tafel stand, was wir kochen würden.

Leider fand jeder den Kochkurs extrem enttäuschend. Unsere Koordinatoren teilten die Zutaten aus, die geschnippelt werden mussten. Doch damit jeder was zu tun hatte, kam man vielleicht auf eine halbe Knoblauchzehe oder fünf Bohnen pro Person. Da wir nur eine Herdplatte zur Verfügung hatten, durften auch nur ausgewählte Volunteers beim Kochen helfen. Für rund 30 Leute etwas wenig.

Also saßen wir rum, unterhielten und langweilten uns leider auch ein wenig, manche schliefen und andere hielten ihr Gesicht in den einzigen Ventilator, der an der Außenwand angebracht war.

Nach knapp einer Stunde konnten wir dann kosten, was wir nicht zubereitet hatten 😉

Links: Frittierte Bananen, die unglaublich lecker waren. Ohne triefendes Fett, voller Aroma und mit einer richtig knusprigen Kruste. Omnomnom!
Mitte: Tempe Manis. Eine Art geröstetes Tofu…ding. War ziemlich kross, leicht scharf, hat mir aber nicht ganz so gut geschmeckt. Eignet sich auch eher als Snack, wie Chips.
Rechts: Gado Gado. Ohweh. Darin habe ich ja mein neues Lieblingsessen gefunden. Sojasprossen, Bohnen, Erdnusssoße (und wahlweise Reis).
Ich habe noch nie in meinem Leben so geile Sojasprossen gegessen. Wusstet ihr, dass die richtig knackig sein können und sogar Geschmack haben? Ich nicht.
Ich habe mich total in das Gericht verliebt und zu wissen, dass es in Europa niemals so schmecken wird, tut echt weh 😀

Nach dem Kochen schloss ich mich zwei meiner Roomies an und fuhr mit ihnen zur Elefantengrotte Goa Gajah. Ein Fahrer willigte ein, uns zu fahren und los ging es. Knapp 45 Minuten. Wir alberten mit dem Fahrer herum und quatschten über die bisherigen Erlebnisse.

An der Goa Gajah angekommen, legten wir uns einen Tempelschal um und los ging es. Das Gebiet ist relativ groß, mit ein paar Wasserbecken, der Grotte und einigen Tempeltürmchen. Ehrlich gesagt … unspektakulär.

Ich muss sagen, dass ich wirklich andere Vorstellungen hatte, was die Tempel angeht. Hier ist irgendwie alles gleich ein Tempel. Ob es wirklich hübsche Bauten sind, ein Felsbrocken oder eine Grotte, in der Tiere leben. Alles ist heilig und ehrlich gesagt bin ich im Nachhinein immer enttäuscht gewesen.

Natürlich haben solche Gebiete eine wichtige religiöse Bedeutung für die Menschen, die daran glauben. Aber letztendlich ist es wie in Rom: Es gibt tausend Kirchen, hat man fünf von ihnen gesehen, reicht das eigentlich. Nur, weil in einer Kirche ein kleines Detail anders ist als in anderen, muss man da nicht unbedingt hin.

Unser Fahrer brachte uns dann noch zu einem kleinen Paradies und wir alle waren uns einig, dass dieser Ausflug viel genialer war als die Goa Gajah an sich.

Direkt neben der Straße, etlichen Marktständen und der Sehenswürdigkeit selbst, ging es durch einen Weg hinein in eine kleine Oase. Wir wurden direkt von einer Frau herumgeführt, die uns diverse Pflanzen und deren Zubereitung zeigte. Zum Beispiel Zimt, Vanille und etliche Kaffeebohnen. Uns wurde gezeigt, wie Kaffee geerntet und geröstet wird und wir durften diesen Prozess sogar selbst ausprobieren.

Die Attraktion an diesem Paradies ist aber das Luwak.

Ein kleines Tierchen, das die Kaffeebohnen isst und ausscheidet. Daraus wird dann der besondere Luwak-Kaffee hergestellt. Der teuerste Kaffee der Welt und etwas, wofür die Gegend rund um Ubud berühmt ist. Wir nannten den Kaffee liebevoll Shit-Coffee.

Wir setzten uns dann auf die Terrasse und genossen die phänomenale Aussicht und entschieden uns dann für ein rundum-Testing der Getränke. Während die gebracht wurden, kam die Frau mit einem Luwak auf dem Arm zu uns und wir durften es anfassen und selbst auf den Arm nehmen.

Das Testen der Getränke war mega. Wir konnten verschiedene Teesorten und Kaffee probieren. Da ich keinen Kaffee trinke, kann ich dazu nichts sagen. Aber der Lemongrass-Tee war eine Wucht. So aromatisch und vollständig natürlich. Wie Eistee, nur ohne Chemie und SO erfrischend, obwohl er heiß war. Der Ingwertee war tierisch scharf. Hibiskus fand ich auch sehr lecker. Die heiße Schokolade natürlich auch 😉

Ich habe im Shop keinen der Tees gekauft, weil ich weiß, dass ich keinen Nachschub bekomme und ihn so nie trinken würde. Seid ihr jemals in Bali, solltet ihr wirklich dorthin und die Tees ausprobieren!

Dann mussten wir uns etwas beeilen und fuhren zurück, da der Walk durch die Reisterrassen anstand.

Ziemlich schnell stellte jeder von uns fest, dass das Programm hier auch wieder etwas mehr versprach, als es war. Ich denke, jeder kennt die berühmten Reisterrassen von Fotos. Wir sahen aber die ReisFELDER. Ist ein himmelweiter Unterschied.

Es war trotzdem wunderschön. Die Aussicht war genial. Wir erfuhren etliche interessante Fakten zum Reisanbau und der Ernte. Aber es sind eben keine ReisTERRASSEN.

Am schönsten war der Abschluss, als wir dem Sonnenuntergang entgegenliefen und wunderschöne Fotomotive geboten bekamen. Ich lasse einfach mal die Bilder sprechen:

Es klingt vielleicht so, als wäre ich von Bali enttäuscht. Das ist es aber nicht ganz. Ich bin trotzdem begeistert und finde es unglaublich interessant, mehr von dieser Kultur zu erfahren. Es ist nur alles komplett anders, als ich es annahm. Dazu aber mehr im Fazit.

Was mich an meiner Zeit in Bali sehr, sehr gefreut hat und mir enorm gut tat, waren die Volunteers. Auf das Volunteering an sich gehe ich auch nochmal im Fazit genauer ein.

Selten habe ich so viele interessante Menschen auf einen Haufen vorgefunden wie hier.

Ich erinnere mich gern an einen Abend zurück, an dem wir um halb elf allesamt draußen auf der Terrasse saßen und quatschten. Auf Deutsch und Englisch, munter und durcheinander. Wir diskutierten Harry Potter-Theorien, lästerten über Twilight, schüttelten die Köpfe über Shades of Grey und freuten uns auf weitere Bucherscheinungen.

Das war einer der schönsten Abende, die ich dort hatte.

Wir haben so viel gelacht, rumgealbert und uns miteinander gefreut. Das war so, so toll.

Mitten in der Nacht haben zwei meiner Roomies dann noch Yoga gemacht und ich saß bis zwei draußen, weil sie mehr über meine Romane wissen wollten.

Allein, wenn ich das jetzt schreibe, habe ich schon wieder Tränen in den Augen, weil es so besonders war. Das erste Mal seit der Mittelstufe interessierten sich fremde Menschen dafür, dass ich schreibe. Fanden es nicht langweilig, bescheuert oder sinnlos. Sondern richtig cool und spannend. Sie wollten alles wissen, fieberten mit, dass ich das Buch hoffentlich veröffentlichen kann und wollten unbedingt daran teilhaben. Selbst die, die kein Deutsch konnten. Und alle waren sich darüber einig, dass ich an dem Abend das erste Mal so richtig aufgeblüht bin.

Eine meinte „Man merkt, dass das du bist. Dass du nicht schreibst, weil du es magst, sondern weil du Autorin bist. Scheiß drauf, ob veröffentlicht oder nicht.“

Es hat SO gut getan und SO inspiriert. Einfach mal darüber zu sprechen, wovon meine Romane handeln. Einige Dinge im Detail zu diskutieren und Anerkennung zu bekommen. Dass es krass ist, dass ich neun beendete Projekte in der Schublade liegen habe.

Die Nacht war kurz. Während es stockdunkel war, schauten wir den Hitzegewittern am Himmel zu und hörten die Hähne schreien.

Es war beinahe magisch. Und das werde ich niemals vergessen. Egal, wie enttäuschend das eine oder andere war.

Solche Momente zählen am Ende.

Das war es für heute, bis zum nächsten Mal! 🙂

 

13e5b-sig

 

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7 Gedanken zu “Bali Teil 3

  1. Liebe Sarah,

    einen Kochkurs finde ich ja total interessant, aber mit 30 Leuten ist das doch wirklich ätzend, wenn dann kaum einer was zu tun hat und das Kochen selbst auch noch von den Leitern übernommen wird -.- Zumindest war das Endergebnis gut. Die Bohnen und Sojasprossen mit der Erdnusssoße sehen ja soooo lecker aus (ich liebe Erdnusssoße) und auch die gebackenen Bananen waren sicher total toll. Auf Tofu würde ich aber auch nicht so stehen.

    Schade das auch die Goa Gajah her enttäuschend war, aber ich verstehe es total, dass man wahrscheinlich irgendwann auch nichts besonderes mehr an den Tempeln findet, wenn sie alle doch irgendwie recht gleich sind und man schon einige gesehen hat.
    Zumindest hattest du eine schöne Zeit mit deinen Zimmergenossen.

    Der Ausflug danach klingt total klasse und das Luwak ist soooo süß. Von dem Kaffee habe ich schonmal gehört, aber ich würde mich nicht trauen den zu trinken 😀 Aber diese ganzen Teesorten würde ich auch total gerne probieren ^.^

    Die Fotos von den Reisfeldern sehen wirklich schön aus, aber ich verstehe schon das man wohl einfach etwas anderes erwartet.

    Wow und der Abend mit den Volunteers klingt genial. Ich kenne solche Abende mit besonderen Menschen mit denen man auch übers schreiben reden kann und die sind wirklich einfach magisch und etwas besonderes. Es ist so toll, dass du es dort erleben durftest.

    Es ist wirklich immer noch so interessant, deinen Reisebericht zu lesen.

    Liebe Grüße,
    Alex

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  2. Hallo liebe Alex,

    vielen Dank für deinen Kommentare. Bzw. deine Kommentare! Da hat sich der Aufwand der Posts wirklich gelohnt <3 und umso mehr freut es mich, dass dir die Art der Berichte gefallen!

    Der Kochkurs war leider wirklich alles andere als interessant, aber für das Essen danach hat sich die Langeweile fast schon wieder gelohnt 😀 Tofu ist auch nicht so meins, aber probieren muss man schon, finde ich 🙂

    Ich denke, man muss schon sehr großer Fan dieser Kultur sein, dass man sich für jeden einzelnen Tempel so begeistern kann. Das war bei mir leider nicht der Fall 😉

    Ich habe meinen Eltern den Shit-Coffee mitgebracht (natürlich ohne zu verraten, was es damit auf sich hat, hehe :D) und sie finden ihn sehr lecker und angenehm zu trinken.

    Der Abend wurde wahrscheinlich deshalb so besonders, weil ich so gar nicht damit gerechnet hätte. Das ist wirklich eine meiner wertvollsten Erinnerungen an diese Zeit <3

    Liebe Grüße,
    Sarah

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  3. Ich kommentiere und lese hier sehr gerne, auch wenn ich immer etwas langsam mit dem aufholen bin, da ich hauptsächlich in der Mittagspause auf der Arbeit online gehe und ab und an mal noch am Abend. Aber ich finde wenn sich jemand so viel Mühe mit Posts gibt, sollte man sich auch die Mühe machen und diese kommentieren.

    Gab es eigentlich einfach nur generell sehr viel vegetarisches Essen, oder bist du Vegetarierin?

    Ich kann mir wirklich kaum vorstellen das der Kaffee so gut schmecken soll, aber wenn er deinen Eltern schmeckt, dann kann er nicht so schlimm sein wie man es wahrscheinlich erwartet. Vielleicht darf man ihn auch nur dann trinken, wenn man nicht weiß wie er hergestellt wird 😀

    Liebe Grüße,
    Alex

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  4. Du glaubst gar nicht, wie sehr mich deine Worte freuen <3 vielen lieben Dank!

    Ich bin keine Vegetarierin, nur war die fleischlose Variante vielseitiger und leckerer, was auch an der Kultur bzw Religion liegt. Die Balinesen essen generell weniger Fleisch als wir Deutsche. Wenn, dann gab es nur Huhn und darauf hat man nicht jeden Tag Lust. Zumal ich total scharf darauf war, mich durch das Gemüse und Obst zu futtern 😀 Ich habe das Gefühl, dass man als Vegetarier dort besser und abwechslungsreicher essen kann, als wenn man auf Fleischgerichte besteht. Die sind dann meist doch sehr westlich. Burger kann ich auch zu Hause essen, obwohl die dort bestimmt auch lecker sind.

    Meine Eltern meinten, dass der Kaffee sehr angenehm ist, weil er wenig Säure enthält. Also er ist vom Geschmack her aromatisch, aber mild. Und das sagten sie auch noch, als sie wussten, woher er kommt 😉
    Kann da leider nicht so mitreden, weil ich Teetrinker bin 😀

    Liebe Grüße,
    Sarah

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