Army of Me

G’day Mates!

Heute gibt es einen langen Post, bei dem ich sehr lange gezögert habe, ihn überhaupt online zu stellen. Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen, aber ich denke, dass er sehr wichtig ist.

Die hier geschilderten Ereignisse sind für alle interessant, die einen Traum haben, den sie leben wollen. Die glücklich sein möchten und Probleme haben, dafür einzustehen.

Ich möchte detailliert berichten, warum ich beinahe mit dem Schreiben aufgehört hätte und warum ich doch zurückgekommen bin.

 

 

Ich schreibe diesen Post

nicht, weil ich Mitleid heischen möchte.
nicht, weil ich jammern will, weil ich mich für diesen Weg entschieden habe.
nicht, weil ich drauf stehe, dass manche es nicht verstehen werden und darüber lachen.
nicht, weil ich es nötig habe.

Ich schreibe diesen Post,
um zu motivieren.
um euch dazu zu bewegen, nicht aufzugeben.
um zu zeigen, wie mein Weg war, den ich gegangen bin, damit ihr nicht die gleichen Fehler macht.
um zu sagen, dass es einen Weg aus einer Schreibkrise gibt. Auch wenn man dafür jeden Tag kämpfen muss.
um zu zeigen, dass es jeder verdient hat, mit dem Schreiben glücklich zu werden. Ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Bevor es zu der Krise kam, muss ich sehr weit ausholen, damit ihr versteht, wie es dazu kam.

Ich schreibe, seit ich denken kann. Eigentlich habe ich nie etwas anderes getan. Es fühlt sich so natürlich an, dass es einer Amputation gleichkäme, würde ich damit aufhören.

Als ich etwa acht Jahre alt war, war für mich klar, dass ich Schriftstellerin werde. Nicht, dass ich es werden möchte, sondern, dass ich es werde. Ich habe nie einen einzigen Gedanken daran verschwendet, wie schwer das ist. Wie unerreichbar und unrealistisch dieses Vorhaben ist. Ich habe auch nie einen Gedanken an einen Plan B verschwendet. Oder C oder D.

Nein. Sarah wird Schrifstellerin. Was sollte sie auch sonst werden?

Nichts hat sie je so interessiert, wie das Schreiben. Wenn andere zum Fußball oder Hockey gegangen sind, las sie Schreibratgeber oder wühlte sich durch hilfreiche Links im Internet. Wenn andere sich in Clubs und Bars rumgetrieben haben, saß sie am PC und schrieb sich die Finger wund.

Ich schrieb immer und überall. Ob im Urlaub während der Fahrt (dumme Idee!), in den Pausen, in der Schule oder in der U-Bahn. Es war für mich wie Essen und Trinken. Ohne war ich nicht ganz.

Worte sind mein zweiter Sauerstoff

Irgendwann wurden die Ideen größer und komplexer. Ich fing mit Die Zeitungswanderin an und Amicitia – Chaos zu sechst. Ich nahm meine Notizbücher überall hin mit. Ich schrieb weiter in den Pausen und meine Freunde waren interessiert an dem, was ich mache. Sie wollten regelmäßig lesen, was ich geschrieben habe und gaben mir Verbesserungsvorschläge, waren aber begeistert. Sie bestärkten mich in meiner Berufung, auch wenn man das aus heutiger Sicht natürlich nicht ernst nehmen kann 😉

Ich war halt einfach immer die Schreiberliese. Man kannte mich nur mit Stift und Block und ich mochte es. In der Bezeichnung lag nämlich nie etwas Abwertendes. Im Gegenteil. Man respektierte, dass ich so war und dass ich es BRAUCHTE. Sie haben es nicht immer verstanden, aber es war okay. Es gehörte zu mir dazu, wie Arme und Beine. Klar, wurde ich auch mal belächelt, aber nie im Bösen. Dass es Menschen gibt, die mir das ausreden würden oder sogar runtermachen, daran dachte ich zu dem Zeitpunkt nie. Ich kannte es ja nicht anders.

Ich fühlte mich so wohl in meiner Haut. Ich konnte mich ausleben und war ich. Nicht die Person hinter dem Pseudonym UND Sarah. Ich war eins mit mir und Sarah.

Ich vermisse diese Zeit so sehr. Damals ging ich offen mit dem Schreiben um. Ich hatte Menschen in meinem direkten Umfeld, die interessiert an dem waren, was mir alles bedeutet. Sie nahmen mich einfach so, wie ich war.

Ich vermisse die Menschen, die mir das Gefühl gaben, dass es okay ist, wie ich bin. Weil eben jeder seine Hobbys und Interessen hat.

Ich wechselte die Schule und kam in eine Klasse, in der jeder nur auf seinen eigenen Vorteil achtete. Der Ellenbogeneinsatz wurde größer. Schminke, Jungs und Handys wurden wichtiger und nahmen mehr Raum ein. Lesen war uncool, Schreiben erst recht. „Ih die liest ein Buch! Ih, die schreibt!“

Es gab echt kein besseres Mobbingopfer als mich. Nur weil ich so war, wie ich war.

Dass es Menschen gibt, die mich wegen meiner Interessen uncool finden könnten, kam mir bis dahin nie in den Sinn. Dass sie mich merkwürdig finden, weil ich andere Musik höre, mich anders kleide, okay. Das war in dem Alter ja auch wichtig und das ist normal.

Vielleicht war ich naiv, das anzunehmen. Vielleicht BIN ich naiv, dass ich anderen Menschen von Grund auf keine negativen Absichten unterstelle.

Aber ich habe nie die Erfahrung gemacht, dass man mich nicht mag, weil ich einfach nur bin. Nie hätte einer in meiner alten Klasse ungefragt meine Notizbücher gelesen. Nie.

Hier musste ich sie verstecken, aus Angst, ausgelacht zu werden. Schlussendlich blieben die Dinger zu Hause.

Ich schrieb nur noch Zuhause und fragte mich mehrmals, was mit mir nicht stimmt, dass man mich deshalb so ausgrenzen muss. Ich fand es schade. Ich verstand es nicht, doch ich passte mich an.

Hatte ich eine andere Wahl?
Ich schrieb zu der Zeit fast nur Gedichte, weil ich nicht das Gefühl hatte, zum Schreiben von Romanen imstande zu sein. Mir fehlte das permanente Arbeiten an der Handlung, das ich brauchte, um weiter zu machen.  Ich kam völlig aus dem Takt. Die Schule wurde schwieriger, komplexer, nahm mehr Raum ein und das Schreiben rückte in den Hintergrund.
Ich geriet in eine Art Interessenkonflikt. 

Wer bin ich? Was will ich? Will ich das Richtige?

Aber das war total okay! In dem Alter sind solche Fragen normal und legitim. Es hat mich zu dem Zeitpunkt auch nicht belastet, dass ich etwas will, was andere nicht wollen. Ich fand es eher schlimm, dass diese eine Eigenschaft, die mir sehr wichtig ist, als Charakter meiner Person ausgelegt wurde.
Nur weil jemand Fußball spielt, ist er für mich nicht nur „der Fußballer“, versteht ihr, was ich meine?
 
Ich schrieb weiterhin, weil es ohne nicht ging, aber es hatte sich etwas verändert. Ich konnte es zu dem Zeitpunkt nur noch nicht ganz verstehen und deuten.
 
Dann kam ich in der Oberstufe an und das Schreiben wurde wieder wichtiger und fühlte sich natürlicher an. Ich verbannte die alten Projekte, weil mich immer schlechte Erinnerungen daran überkamen und schrieb (Un)Zertrennlich?. Mir wurde wieder ein wenig Interesse entgegengebracht. Wenn auch verhaltener. Nicht so euphorisch. Ich ging auch nicht mehr so offen mit dem Schreiben um. Ich musste erst einmal ausloten, ob es im Kreis der jeweiligen Klassenkameraden „cool genug“ war, darüber zu reden. Ob ich so weit akzeptiert wurde, dass ich mein wahres Ich zeigen konnte.

Dass das Schreiben auch mehr in den Hintergrund rückte, lag daran, dass die Schule wichtiger wurde. Das Abi winkte, man wollte Zeit mit der Clique verbringen und hatte seinen ersten Freund. Das war aber gut so. Ich konnte Erfahrungen abseits des PCs machen und das war auch wichtig.
 
Während dieser Zeit stellte man sich die Frage, wie es nach der Schule weiterging. Da hatte ich meinen ersten heftigen Einbruch. Während alle ankamen mit normalsterblichen Dingen wie Zahnarzthelferin, Ingenieur, Heilpraktiker, Logopäde, stand ich da und dachte: Fuck. Fuck, fuck, fuck. (und nochmal: fuck)
 
Für mich war es nie eine Frage, OB ich Autorin werde, sondern WANN. Nicht, weil ich ein naives Dummchen bin, dass die Realität ausblendet, sondern weil ich nie etwas anderes wollte. Weil der Wunsch da ist, seit ich denken kann. Weil ich überhaupt nicht weiß, wie es ist, etwas anderes so sehr zu wollen. Es war immer natürlich für mich, das zu wollen. Darauf hin zu arbeiten. Dafür zu arbeiten. Dafür zu leben.
 
Ich stand da und hatte absolut keine Idee. Keinen Plan. Und da fing rückblickend schon der ganze Mist an, der sich 2013 wie ein Tsunami durch mein Leben wühlte.
 
Ich besuchte etliche Berufsmessen, durchforstete das Internet. Schaute mir Ausbildungspläne durch, nur um nach zehn Minuten verzweifelt nach einem Zauberspruch zu finden, mit dem ich Autorin werde. Ich bekam Panik. Jeder erschien sich so sicher, was er wollte. 

Sowohl Lehrer, als auch Familie und Freunde zweifelten keine einzige Sekunde daran, dass ich meinen Weg im Leben finde und gehe. Weil ich so selbstsicher und entschlossen wirkte und so viel Potenzial habe, weil ich klug bin und ein gutes Abi habe.
 
Ich spielte mit dem Gedanken, Kreatives Schreiben in Leipzig zu studieren. Es erschien nur natürlich und normal. Ich beging meinen ersten Fehler, indem ich meinem Umkreis andeutungsweise davon erzählte. Sofort wurde es mir bis ins Detail ausgeredet. Welche Aussagen dabei waren, könnt ihr euch ja sicherlich denken. Wenn man das erste Mal eine Entscheidung für sich selbst treffen muss, die von so großer Bedeutung ist, nachdem einem in der Schule alles abgenommen wurde, hört man natürlich auf Menschen, die es gut mit einem meinen – Familie und Freunde. Die es auch nur sagten, weil sie es gut meinten.

Ich beging den großen Fehler, mich anzupassen. 

Ich schämte mich unendlich, dass ich wirklich dachte, Autorin werden zu können. Es erschien so teeniemäßig, wie früher, wenn es hieß „Ich werde Model / Schauspielerin / Sängerin“. Ich ärgerte mich, nicht viel eher den Absprung gewagt zu haben. Ich war wütend, weil ich das, was ich wollte, nicht werden konnte. Weil „man davon nicht leben kann.“
 
Also entschied ich mich gegen das Studium Kreatives Schreiben und studierte Germanistik. Das war mein unglaublich großzügiger Kompromiss an mich selbst und an mein Leben. Zu mehr war ich nicht in der Lage. „Naja, wenn halt nicht Autor, dann Lektor. Immerhin“. Vielleicht kriegst du da Kontakte, lernst in der Branche dazu. Du bist drin, wenn auch nicht an dem Punkt, wo du sein willst. Aber das kann sich ändern. – das waren meine Gedanken.

Deutsch mochte ich in der Schule immer, war auch sehr gut darin. Es fiel mir leicht, es interessierte mich. Das war sicheres Terrain. Komfortzone und so.

Doch da fingen schon die ersten Rechtfertigungen an. „Germanistik?! Was willst du damit machen. Du fährst damit eh nur Taxi. Studier es doch wenigstens auf Lehramt. Hast du dir das auch gut überlegt?“
JA! HABE! ICH! Es ist eine Notlösung, eine Lösung, damit die Welt Ruhe gibt. Damit ich Zeit erkaufe, um mich selbst zu verstehen. Um zu testen, ob ein Kompromiss für mich machbar ist.
Hat keiner verstanden. Muss und kann man vielleicht auch nicht verstehen.
 

(Lasst die Leute doch einfach machen, sofern sie niemandem damit wehtun. Herrgott nochmal, muss jeder DIESEM EINEN Lebensweg folgen, nur weil ALLE es machen?! Muss man sich immer für Wege rechtfertigen, nur weil sie anders sind? Es kann euch doch egal sein, egal wie wichtig euch die Person ist, der ihr sowas an den Kopf werft.)

In der Zeit zwischen Abi und Studium ging es mir gut wie nie. Ich habe jeden einzelnen Tag NUR geschrieben. Von morgens bis abends. Ich war richtig im Flow. Es hat sich so gut angefühlt und ich habe geweint, als diese Zeit vorbei war. Es fühlte sich so verdammt richtig an. Ich war so glücklich und mit mir im Reinen. Und dass, obwohl ich eine sehr schmerzhafte Trennung hinter mir hatte, Berlin verlassen musste und die Hälfte meiner Freunde verstreut in Deutschland war und der Kontakt nach und nach abbrach.

Es ging mir gut.

Und ich lernte, dass ich zum Glücklichsein nur das Schreiben brauche. 

Mehr nicht. Und diese Erkenntnis vertrete ich auch sechs Jahre später noch zu 100%.

Schon da bereute ich meine Entscheidung aus tiefstem Herzen. Bevor ich auch nur eine Sekunde im Hörsaal saß.

Die Studienzeit war für mich der totale Horror. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich dran kaputt gegangen bin. Leider habe ich zu spät die Reißleine gezogen und es beendet. Es passte kein weiterer Stempel auf meine Stirn, die von all den unsichtbaren Stempeln schon überquoll.

Fünf Jahre Quälerei dafür, dass ich damit nicht mal ein bezahltes Praktikum bekomme. Schön, oder?
(und wehe, jemand sagt jetzt: Augen auf bei der Berufswahl, selber schuld. Ich werde ungemütlich. Das verspreche ich)

Hätte ich doch einfach mal Kreatives Schreiben studiert. Die Berufschancen wären sicherlich genauso mies gewesen, aber wenigstens hätte ich was getan, wo ich hinter stehe und nicht meine Zeit verschwendet. Und ich hätte mit Sicherheit mehr über mich und das Schreiben gelernt als in diesen fünf Jahren Horrorshow.

Die ersten zwei Semester liefen nicht gut. Ich war überfordert damit, alles unter einen Hut zu bekommen. Studieren ist so anders als Schule. Außerdem wohnte ich das erste Mal allein und managte alles allein. Das war okay und ich kam mit klar, aber es brauchte Zeit, bis ich einen Rhythmus fand und erkannte, dass sich Wäsche in einem Wohnheim am besten Freitag oder Samstag nachts waschen lässt, weil da alle Party machen oder schlafen und ich in Ruhe lernen konnte oder schreiben. Ohne von irgendwelchen Idioten in pseudoakademische Diskussionen verwickelt zu werden. Ich fühlte mich verloren, überanstrengt und völlig fehl am Platz. Inhaltlich machte mir das Studium Spaß, aber es ließ keine Zeit für was anderes. Und das lag nicht an meinem schlechten Zeitmanagement, sondern an diesem scheiß Bachelor-System.

(ich hole an dieser Stelle nicht aus, das erspare ich euch)

Mir sind so oft die Augen vor dem PC zugefallen, so oft bin ich am Schreibtisch aufgewacht und war permanent kaputt und fühlte mich ausgelaugt. Dass der Austauschstudent im Nebenzimmer jede Nacht fernöstliche Musik auf voller Lautstärke hörte und nach China skypte, machte es nicht unbedingt besser. (nichts gegen Chinesen, rücksichtsloses Verhalten mag ich generell nicht, egal welche Kultur sich so verhält)

Ich testete tausend Varianten, alles unter einen Hut zu kriegen. Ich stand so unter Strom, dass ich nie innerlich zur Ruhe fand.

Ich wollte es allen recht machen. 

Ich wollte es allen beweisen, einschließlich mir, dass das Studium die richtige Entscheidung war. Es ging einfach nicht. Da das Studium mir einen Berufsstart ermöglichen sollte (an dieser Stelle bitte ein Sitcom-Lachen einfügen), hatte das Priorität. Also musste das Schreiben zurückstecken. Ganz einfach war das. Dachte ich.
 
Ich schrieb das Schreiben irgendwann von der ersten Stelle der To-do-Listen auf die letzte. Irgendwann schrieb ich es nur noch mit Bleistift ein, man weiß ja nie. Schlussendlich dann gar nicht mehr. Ich kam ja eh nicht zu.
 
Ich wartete sehnsuchtsvoll auf die Semesterferien. Doch da müssen Hausarbeiten geschrieben werden, ich arbeitete nebenbei, reiste zwischen meinem Studienort und Zuhause hin und her, traf Freunde, die ich ewig nicht gesehen hatte, war für einige Zeit wegen einer Operation im Krankenhaus (nichts Schlimmes) und schwupps, blieben nur noch zwei Wochen, in denen du gefühlt fünf Romane beenden willst und musst.
 

Ich spürte, dass ich zunehmend unter dem Druck litt. Darunter, das zu machen, was andere erwarten. Es ihnen recht machen zu wollen und zu müssen. Mir einzureden, dass das alles richtig so ist, weil ich es eh niemals als Autorin zu was gebracht hätte. Damit glücklich zu sein, weil ich mich ja bewusst dafür entschieden habe, dieses problematische Fach zu studieren. Den Gedanken, dass ich es vielleicht doch als Autorin schaffen könnte, ließ ich erst gar nicht mehr zu. Es erschien mir viel zu abwegig.

Und alles was ich machte, war permanent zurückstecken. Nicht das ausleben zu wollen, was ich liebte. Das Gefühl haben, wertvolle Zeit zu verschwenden. Darunter zu leiden, dass man ewig nur an ein Märchen glaubte, von dem man sich nicht lösen kann.

Ich zerriss mich zwischen den Erwartungen der anderen, die ich erfüllen wollte und musste, um endlich Ruhe zu haben und meinen eigenen Wünschen die dazu so konträr waren wie Feuer und Wasser.

Heute weiß ich, dass das falsch war, weil mein Denken falsch war. Aber das musste ich erst einmal lernen und verstehen. Denn dieses Problem gab es zu meiner Schulzeit nie. Da war ja alles geregelt. Ich ging zur Schule, brachte gute Noten nach Hause (ja, okay. In Mathe nicht) und ich schrieb. Alle Parteien waren zufrieden.

Boah und dann waren da DIESE Kommilitonen. Ich kann heute noch immer nur mit dem Kopf schütteln. Kommilitonen, die DEUTSCH studiert haben, weil sie das Medium Buch, die Sprache und Literatur lieben, gaben mir mehr als offenkundig das Gefühl, ein Alien zu sein, weil ich schreibe und lese. ENTSCHULDIGUNG?!

„Ach, naja. Wenn’s mitm Studium nicht klappt, schreib ich halt ein Buch und werd damit so berühmt wie J. K. Rowling.“

„Okay, du schreibst. Aber Autor bist du erst, wenn du etwas veröffentlicht hast. Hast du schon etwas veröffentlicht? Nein? Dann bist du auch kein Autor.“

„Boah, also so ein Hobby ist doch tierisch langweilig. Hätte ich ja voll keine Lust zu.“

„Davon kann man doch eh nicht leben. Wie stellst du dir das denn vor? Hartz IV?“

„Kommst du auch mal raus? Hast du überhaupt Freunde? Oder hängst du nur mit deinen Charakteren ab? Die es nicht gibt, by the way.“

„Ist doch nicht schlimm. Dann veröffentlichst du halt nur fünf Bücher, statt fünfzehn. Was macht das schon.“

Bevor es an Fragen ging wie „Cool! Wovon handelt dein Roman? Wie lange schreibst du daran?“ Oder irgendwas anderes, was normal und nicht abwertend, aber auch nicht übermäßig interessiert ist, kam „Ja, wie jetzt. Ist doch dumm. Du verschwendest deine Zeit mit Schreiben? Wird doch eh nichts. Mach was Sinnvolles. Ach, übrigens. Findest du auch, dass die Deutung des Oxymorons in Zeile 35 von Seite 268 etwas ungenau ist?“

Sorry, aber WHAT THE FUCK. Ehrlich. WHAT THE FUCK.

Zunehmend belastete mich das Gefühl, dass ich falsch bin. Dass das, was ich will, falsch ist. Permanent lag ich nachts wach und fragte mich, was mit mir nicht stimmt. Wieso ich so bin. Wieso ich mich für Dinge interessiere, die jedem egal sind. Sogar denen, die ihr Leben zu 90% mit Romanen verbringen. Die im Verlag arbeiten wollen, wo Bücher entstehen. Es ist so absurd, dass es beinahe wehtut, wenn man mal drüber nachdenkt.

Mit Hobbies ist das doch wie mit der Liebe. 

Sie fliegen einem zu und lösen etwas aus. Das kann man nicht beeinflussen. Man kann nicht begründen, warum das so ist.
 
Ich kam mir wie der letzte Idiot vor. Ich öffnete Dokumente, schrieb und hasste es. Ich hasste mich. Ich hasste es, dass ich den Absprung nicht geschafft hatte und ein vernünftiges Hobby gewählt hatte.
 

Tja da saß ich nun. Mit meinen 30 Semesterwochenstunden, einem Uniweg von täglich zwei Stunden, der Vor- und Nachbereitung vom Stoff, Sport, einem Nebenjob und ja. Dem Schreiben. Dann sind da noch normale Bedürfnisse, Familie und Freunde, eine Serie, die man gucken will, und vielleicht auch eine Handvoll Schlaf. Könnt euch ja denken, wo ich zuerst Abstriche machte: Quality-Time zum Batterien aufladen.
Spoiler: Dumme Idee. Lasst das.

Ich will nicht jaulen oder sagen „Oah mein Leben ist scheiße, kommt alle her, bemitleidet mich, ich bin eine arme Wurst“. Ich will nur aufzeigen, wie schwierig es ist, alles zeitlich unter einen Hut zu kriegen, vor allem vor dem Identitätskonflikt, den ich hatte.

Irgendwann fing ich an, die Seminare nicht mehr nachzubereiten. Wenn man von 20 Romanen nur über einen eine Hausarbeit schrieb, lohnte sich das in meinen Augen nicht. Also hatte ich etwas mehr Zeit. Da das so super funktionierte, lernte ich nur noch, wenn es um Klausuren ging. Ich strengte mich an, wenn es um Hausarbeiten ging, denn nur darauf bekommt man an meiner ehemaligen Uni eine Note. Der Rest ist quasi Bonus. Siehe da: Ich hatte plötzlich Zeit! Vorbereiten tat ich dann auch nur noch die Referate und meine Hausarbeitsthemen oder Klausuren. Perfekt!

Ich schrieb also während der Seminare. Setzte mich extra ganz nach hinten, schirmte mich gegen Sitznachbarn ab, weil ich keinen Bock auf dumme Kommentare hatte und schrieb.

Innerlich hatte ich zu dem Zeitpunkt komplett mit dem Studium abgeschlossen, nur konnte ich das zu dem Zeitpunkt nicht verbalisieren. Ich machte mir vor, dass ich ja so alle Parteien glücklich machte und die Noten stimmten auch. Es gab also keine Verlierer. Da ich außerdem nicht unter dem Stempel „Studienabbrecher“ durchs Leben gehen wollte, funktionierte es.

Bis ich merkte, wie unglaublich respektlos ich mich den Dozenten gegenüber verhielt. Zugegeben, manche machen es sich wirklich einfach. Aber andere gaben sich solche Mühe, hatten wirklich interessante Themen und Seminare am Start und ich rauschte da einfach durch.

Ich lebte irgendwie nicht mehr. Ich funktionierte.

Das Zahnrad war in Bewegung, alle waren glücklich. Aber habe ich, abgesehen von ein, zwei, Seminaren, etwas mitgenommen?
Nein.
Ist doch dumm.
 
Das Studiensystem entspricht absolut nicht meiner Art zu lernen und heute weiß ich es besser. Ich weiß, dass ich mehr Praxis brauche, um den Sinn in etwas zu sehen. Ich weiß, dass ich es nicht mag, Romane, die ich wochenlang vorbereitet habe, in fünf Minuten durchzudiskutieren, weil die Semester so kurz sind und man in drei Jahren eigentlich alles wissen muss, was wichtig ist für deinen Bachelor.
Ist nen anderes Thema, musste aber an der Stelle nochmal gesagt werden.
 
Ich ließ es also, im Seminar zu schreiben. Das war dann die Zeit, die mir zu Hause fehlte, weil sie nicht da war.
 
Das konnte nur schief gehen.
 
Tja. Dann kam 2013.
 

Ich fragte mich zu diesem Zeitpunkt, ob es das alles wert ist. Ich war wirklich einen Schritt davor, das Schreiben zu lassen. Alle Dokumente vom PC zu nehmen, alle Links zu löschen, alle Notizbücher in den Keller zu schmeißen. Ich wollte mir quasi eine neue Identität anlegen, mich umprogrammieren. Sarah 2.0

Nur, dass ich nicht mehr Sarah war.

Denn nimmt man mir das Schreiben, ist quasi nichts mehr von mir übrig. 

So bitter das auch klingt.
 
Ich versuchte die Person zu sein, die alle in mir sehen wollten und die ich nie war. Die ich nie bin. Die ich NIE SEIN WERDE.
 
Ich hasste mich. Ich hasste das, was aus mir geworden war. Ich litt darunter, dem Studium nicht so viel Aufmerksamkeit zu widmen, wie es das verdiente. Ich litt darunter, mir selber nicht die Aufmerksamkeit zu geben, die ich verdiente.
 

Best of both worlds ging nicht. Best of university auch nicht. Best of writing auch nicht.

Ich gab mich mit Leuten ab, die mir überhaupt nicht gut taten. Also wirklich, wirklich gar nicht gut. Sie bestärkten mich darin, der Mensch zu werden, der ich absolut nicht sein wollte. Ich verfolgte Hobbys, die keinen Sinn ergaben und ich belog nicht nur mein Umfeld, sondern in erste Linie mich selbst. Der Blick in den Spiegel fiel immer schwerer.

Meine beste Freundin fand es erschreckend und traurig, was aus mir geworden war. Das sagte sie mir bei einem Treffen ganz offen. Sie hatte es immer an mir gemocht, dass mir kein Berg zu hoch, kein Meer zu weit und ich mir zu nichts zu schade war. Ich verlor die „ist mir egal, was andere von mir denken“-Haltung, meinen Selbsthumor, meine Stärke und vor allem meinen Kampfgeist.

Ich hatte aufgegeben.

Jetzt verstehe ich, wieso. Ich war damals innerlich schon über den Punkt hinaus, an dem ich mir selbst eingestehen konnte, dass es nur diesen einen Weg für mich gibt. Und dass ich diesen einen Weg gehen muss. Egal, wo und wie er endet. Aber ich hatte nicht die Kraft dafür, das zu erkennen und das wahrhaben zu wollen. Ich hatte nicht die Kraft, das so ausdrücken zu können, dass andere gar nicht erst dazu kommen, mich mit Zweifeln zu bombardieren, sodass ich mich in der Position sehe, mich rechtfertigen zu müssen.
 
Da sind die anderen. Die Zweifel, die Ängste. Wie soll das werden, als Selbstständige?
Da kommt auch ganz extrem darauf an, wo man herkommt. Was bedeuten dir die Säulen Geld, Sicherheit, Lebensgestaltung für dich? Wie haben dich deine Familie, dein Umfeld und Freunde geprägt? Wie sind deine Einstellungen zu bestimmten Dingen?

Ich hatte keine Kraft mehr, solche Dinge zu hinterfragen, weil es eh schlecht war, was ich wollte. Wozu da noch Gedanken dran verschwenden.
 
Und obwohl ich es hasste und nicht wollte, formte sich die Idee zu ephemeer.
Wieso machte mein Hirn das, wo ich doch gesagt hatte „Halt. Nein. Ich will das nicht. Hör auf.“?
 
Körperlich ging es mir immer schlechter. Ich hatte durch den Frust schleichend zu viel Übergewicht (ich rede nicht vom medizinischen Übergewicht, sondern vom Wohlfühlgewicht) an Bord und schuftete mich herunter. Dass ich mit mir äußerlich nicht mehr zufrieden war, half nicht dabei, dass es mir in mir besser ging. 

Das gipfelte sich im letzten Jahr darin, dass man mir sagte, ich sei ernsthaft krank. (und ich halte mich nur schwer damit zurück, den Namen der Ärztin öffentlich zu machen, die mir ohne medizinische Anhaltspunkte voraussagte, dass ich nur noch zehn Jahre zu leben hätte.)

Mein Stresshormon war nicht mal mehr im messbaren Bereich. Irgendwie hatte ich gar nicht mitbekommen, dass ich mich so kaputt gemacht habe. Immer war irgendwas. Alles war in diesem Gefühl des Scheiterns verpackt ineinander übergegangen.
 
Dann kam Ende letzten Jahres die Serie Club der roten Bänder ins Fernsehen. Sie berührte mich sehr. Ich war tief bewegt von den Weisheiten, den Lebenswegen und Situationen, die in den paar Folgen thematisiert wurden. Dass ich selbst ein, was Krankheiten anging, hartes Jahr hinter mir hatte, unterstrich die Botschaft.
 
Du hast nur dieses eine Leben. Mach damit das, was du für richtig empfindest.
Egal, was andere sagen.

Ich erkannte, dass ich nicht so weitermachen wollte. 

Dass sich etwas ändern musste. Ich will nicht mehr träumen, ich will meine Träume leben. Auch wenn es sein kann, dass sie sich nicht realisieren lassen. Das Leben kann so kurz sein und ich will nicht bedauern, bereuen oder vermissen. Ich will mich nicht fragen, was gewesen wäre, wenn. Ich will nicht mehr sagen, wenn, dann.
 
Noch hatte ich keine Ahnung, wie ich die Blockade im Kopf lösen sollte. Deshalb fing ich mit Sport an. Das erschien mir zwar auch schwierig, aber machbar. Ich musste mich wieder wohler in mir selbst fühlen, das erschien mir als erster Schritt am einfachsten. Prompt nahm ich ab und mittlerweile habe ich Frieden mit meinem Körper geschlossen. 
 
Ich schrieb und gab meine Bachelorarbeit ab. Das Kapitel Studium musste so schnell wie möglich geschlossen werden und es war mehr ein Akt des Müssens als Wollens, aber ich hab meinen Abschluss, auch wenn der zu nichts zu gebrauchen ist. Das war ein weiterer Befreiungsschlag. 
(ich hatte gedacht, dass dieses mulmige, eklige Gefühl weggeht, sollte ich jemals danach nochmal das Gebäude betreten. Es ist noch immer da. Sobald ich in diese Uni reingehe, wird mir schlecht und ich bekomme beinahe schon Panik. Dass das solche Spuren hinterlassen hat, erschreckt mich noch immer)
 
Als nächsten Schritt schmiss ich rigoros Leute aus meinem Leben, die es nicht besser verdient haben. Klingt hart, ist aber leider Fakt. Wenn mir jemand sagt, wie abnormal ich bin, nur weil ich Dinge mag, die er blöd findet, ist das nicht nur respektlos, sondern hilft mir nicht weiter. Ich bin da sehr konsequent geworden. Menschen, die nicht hinnehmen können, was ich mache (ich meine hier weder toll finden oder Interesse zeigen, sondern einfach nur reine Akzeptanz), haben in meinem Leben nichts verloren. Ich brauche niemanden, der mir sagt, ich bin dumm. Ich brauche niemanden, der mir sagt „du kannst das nicht“, wenn es keine Gründe dafür gibt. Ich muss mich nicht schämen für das, was ich bin. Dafür gibt es keinen Grund und jeder, der so ein Gefühl in mir weckt, hat in meinem Leben nichts verloren. Wieso können Menschen nicht einfach mal sagen „ich habe Zweifel, aber ich unterstütze dich, wenn es das ist, was du willst. Pass aber auf dich auf.“???

Klingt sehr nach „wer nicht für mich ist, ist gegen mich“, aber das meine ich damit nicht. Akzeptanz und Toleranz, das ist alles, was ich erwarte und ich finde, das sollte in einem menschlichen Miteinander normal sein.
 
Zaghaft begann ich, meine Projekte anzugucken. Das war der Schritt, der mir am schwersten fiel und vor dem ich am meisten Angst hatte. Ich erkannte, dass das Schreiben zu mir gehört. Dass ich es machen muss, egal ob ich will oder nicht.

Ich bin meine Worte.

Es tat gut und gleichzeitig unmenschlich weh. Das war bisher der krasseste Gefühlsmix, den ich jemals in meinem Leben erlebt habe. 
 
Ich arbeitete vier Tage die Woche, in der restlichen Zeit schrieb ich auf Teufel komm raus. Ich überarbeitete, plottete und es ging mir besser.
 
Ich fand wieder zu mir und dem, was ich bin. Ich lernte, mich wieder wohl in mir zu fühlen. Zwar verhalten und zaghaft. Aber ich kam wieder ins Reine mit mir.
 
Um dieses Gefühl zu unterstreichen, auch um mir selbst keinen Weg zurück mehr zu ermöglichen, rief ich diesen Blog ins Leben. Ich war mir darüber bewusst, dass ich mich mehr als Autorin sehen muss, um sein zu können.
 
Um das zu erreichen, was ich immer gewollt habe und nie lebte.

So, wozu erzähle ich euch so viele persönliche Dinge?

Ich habe diesen Post Army of me genannt. Als ich am 30. April 2016 auf dem Anastacia Konzert war, eröffnete sie es mit einem Lied, was ich bis dahin nicht kannte. Sie sang die ersten Zeilen, ich horchte innerlich auf und spürte, dass da was ganz Großes geschah. Sie sang den Chorus und ich wusste, dass ich meinen neuen Fight-Song gefunden hatte.
 
Einen Fight-Song, den ich 2013 so bitter nötig gehabt hätte.
 
Jeder Mensch motiviert sich durch andere Dinge. Der eine schaut den Lieblingsfilm, der andere liest einen Ratgeber nach dem anderen, wiederum andere sprechen mit ihren Liebsten oder gehen einfach mal ne Runde nach draußen.
 
Ich motiviere mich unteranderem durch Musik. Durch Lebenswege anderer Menschen, die auch viele Hürden im Leben nehmen mussten und trotzdem noch da sind und ihren Weg weiterverfolgen. Mich beeindrucken Menschen, die nie aufgeben, für das kämpfen, was sie wollen und sich nie unterkriegen lassen.
 
Menschen warfen mir extrem schmerzhafte Worte an den Kopf. Machten mir aufs Krasseste deutlich, dass ich es niemals schaffen werde. Mit jeder dieser Begegnungen starb etwas in mir ab, was nie wieder ganz wurde. Ich zerbrach in tausend Stücke und weigerte mich, sie zusammenzusetzen.
Wozu auch?
 
Was ich bis dahin nicht verstand: Jedes Stück ist nicht verloren. Es ist noch immer in mir drin und es macht mich stärker. Jede Kränkung, jeder Zweifel, jedes noch so schmerzhafte Wort hat mich wachsen lassen. Hat mich dazu gebracht, mich einmal mehr vor den PC zu setzen und zu schreiben. Weil ich weiß, dass ich es KANN und weil ich weiß, dass ich es WILL.
Und weil ich es denen zeige, die nie an mich geglaubt haben.

Weil ich es mir selbst beweise, dass ich stark genug bin, um mein Leben zu leben, so wie ICH es will.
 

Well I know what you were thinking
You thought you’d watch me fade away
When you broke me into pieces
But I gave each piece a name

One of me is wiser
One of me is stronger
One of me’s a fighter
And there’s a thousand faces of me
And we’re gonna rise up
Yeah we’re gonna rise up
For every time you wronged me
Well you’re gonna face an army
An army of me

Anastacia – Army of me

Ich habe eine Armee meiner Selbst im Rücken. Eine Armee, die durch die Zweifler und Kränkungen entstanden ist.

Und die ist stärker als jeder andere.

Denn eines dürft ihr nie vergessen: 

Der einzige wahre „Feind“, den ihr im Leben habt, das seid immer nur ihr selbst.

Es waren nicht die Zweifel, die Worte und die Arroganz der anderen, die mich haben aufgeben lassen. Das war ich. Weil ich darauf gehört habe. Weil ich diese Worte zu meinen eigenen Gedanken und Gefühlen gemacht habe.
Und dazu hatte ich mir selbst gegenüber einfach kein Recht.
 
Wenn ihr erkennt, dass vermeintlich ausgelegte Schwächen eure Stärken sind, könnt ihr nur gewinnen.  
Ich kämpfe.
Manchmal auch mehr als mir lieb ist.
Es ist noch immer nicht leicht, wieder zurück zu meinen Wurzeln zu finden.
Aber ich gebe nicht auf, weil ich irgendwann gewinne.
Das weiß ich.
 

Und du wirst es auch.

 
 
sig
 
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12 Gedanken zu “Army of Me

  1. Liebe Sarah,

    erst einmal möchte ich dir meinen Respekt aussprechen, dass du trotz dieser schrecklichen Hindernisse es trotzdem geschafft hast, dich aufzurappeln und das zu machen, was du liebst! Fühl dich bitte gedrückt. Es war sicher nicht einfach, das ganze noch einmal aufzurollen.

    Ich kann dich in vielen, vielen Punkten verstehen. In der Schule wurde ich auch ordentlich fertig gemacht – zwar nicht wegen dem Schreiben, aber anderen Dingen, die mich ausgemacht haben. Auch wenn man sich aufgerappelt hat, so verlässt einen diese Erfahrung nie. Heute habe ich immer noch Probleme mit meinem Selbstwertgefühl, selbst wenn es sich über die Jahre verbessert hat.

    Ich verstehe es auch nicht, warum „schreiben“ gesellschaftlich so inakzeptiert wird. Oder warum es so unwahrscheinlich ist, dass man es schafft etwas zu veröffentlichen. JEDER Job den man anstrebt ist hart. So ist das nun Mal. Warum sollte einer Ingenieur werden können und du kein veröffentlichter Autor? Was spricht dagegen? Ich hasse generell die Werte, die in unserer Gesellschaft gepusht werden. Naturwissenschaften, Wirtschaft – alles akzeptiert! Aber sobald jemand ein Buch aufschlägt, bohooo, was bist du für ein Nerd.

    Von meiner Familie habe ich auch ordentlich Gegenwind bekommen, aber ich versuche trotzdem starrköpfig zu bleiben. Ich habe es mir fest vorgenommen zu beweisen, dass ich es kann – ich kann schreiben! Ich werde es schaffen, Schriftstellerin zu werden – weil ich weiß, dass ich es kann. Es ist mir egal warum ich ständig gefragt werde „Na, wann hast du dein Buch fertig?“ – Bald. „Kann ich es mal lesen?“ – Nein. „Woher soll ich wissen, dass du es fertig schreibst, wenn ich es nicht lesen kann?“ – Wtf. Nur weil ich es Leuten nicht zeige nimmt mir das nicht das Recht weg, etwas zu erreichen.

    Sorry, ich wollte gar nicht so viel von mir erzählen. Ich wollte dir eigentlich sagen: Du bist nicht allein. Aber du bist unglaublich stark, und für die Stärke bewundere ich dich. Du hast einen Tiefpunkt erlebt, so viel Negativität in dir eingesogen und hast es trotzdem geschafft, alles davon abzuwerfen und deine Liebe zum Schreiben durchzusetzen. Ich wünsche mir so eine Stärke, die du hast, dieses Selbstbewusstsein, mit dem du dein Geschriebenes vertrittst und dein Durchhaltevermögen. Ich glaube, in diesem Bereich hast du das schlimmste hinter dich gebracht. Jetzt weißt du was du willst, und ich bin mir sicher, dass du dich nicht mehr davon abbringen lässt.

    Ich glaube auch an dich. Und deine Bücher. Und ich bin froh, dass du weiterschreibst und ein kleines bisschen Hoffnung in die Welt setzt – für mich und andere Autoren, die es schaffen wollen, aber auch für deine zukünftigen Leser, die deine Bücher lieben werden.

    Danke, dass du diese Erfahrung mit uns geteilt hast. Ich hätte ein wenig Angst davor, so persönlich zu werden (hach, alte Gewohnheit :D), umso mehr respektiere ich dich dafür. Und ich werde versuchen deinen Rat zu befolgen und nicht aufzugeben.

    Allerliebste Grüße,
    Sanne

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  2. Hallo liebe Sanne,

    ich danke dir aus tiefstem Herzen für deinen aufbauenden Kommentar. Du glaubst gar nicht, wie gut das getan hat, den zu lesen. <3

    Es war ziemlich schmerzhaft, all die Ereignisse so genau zu benennen, das ja. Aber irgendwie war es auch sehr wichtig für mich, weil ich jetzt darauf zurückblicken kann. Ich sehe, woher ich komme und wo ich jetzt innerlich stehe. Ja, es ist noch ein weiter Weg und vielleicht komme ich auch nie ans Ziel. Das mag sein. Aber ich bin trotzdem stolz auf mich, dass ich an diesem Punkt bin, wo ich nun stehe.

    Letztendlich ist es ja egal, weswegen man von anderen abgewertet wird. Es tut wahrscheinlich immer gleich stark weh, sobald es etwas ist, was den Kern eines Charakters ausmacht. Umso trauriger ist es, dass es so viele Menschen gibt, denen es ähnlich ergeht.
    Ich glaube, um sich und seine Einstellung zu sich selbst wieder auf Null zu stellen, bevor das alles passiert ist, braucht es sehr lange. Und ich wünsche dir sehr, dass du an einen Punkt kommst, an dem du wieder zufrieden mit dir bist. Denn du bist eine ganz tolle Person! <3

    Ich verstehe auch nicht, wieso kulturelle Werte generell so minderwertig sind. Klar, sie stellen einen Luxus dar, den sich manche nicht leisten können, aus unterschiedlichen Gründen. Aber stell dir mal eine Gesellschaft ohne Freizeitmöglichkeiten, entspannende Aktivitäten oder Dingen vor, die einfach mal nur Spaß machen. Und darunter pack ich mal alles, was im entferntesten Sinne mit Kultur zu tun hat. Das wäre doch super öde und deprimierend!
    Ich verstehe es leider genauso wenig wie du 😦

    Ich finde es schade, dass man sich durch dieses „ich MUSS es beweisen“ so viel Druck aufbaut. Zumindest ist das bei mir so. Es ist schon schwierig genug, das Schreiben sinnvoll in den Alltag zu integrieren. Da muss man das nicht aus dem zusätzlichen Motiv heraus tun, dass man es jetzt allen zeigen will / muss. Das ist so schade und blockiert so sehr.

    Vielen Dank für all die lieben Worte. Die haben mich unglaublich motiviert und sehr, sehr gut getan. Mehr, als du dir vorstellen kannst, denke ich. <3

    Wenn ich anderen helfen kann, indem ich so persönlich werden muss, tue ich das. Klar, ist es nicht einfach. Aber ich möchte, dass die anderen da draußen nicht aufgeben. Denn niemandem soll es so gehen, wie es mir ergangen ist. Wenn das der „Preis“ ist, den ich dafür zahlen muss, tue ich das gern. Denn nur so kann sich was ändern.

    Vielen lieben Dank nochmal! <3

    Ganz liebe Grüße,
    Sarah

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  3. Wow!

    Liebe Sarah, lass dich einmal ganz fest in den Arm nehmen. Nicht aus Mitleid, sondern weil ich genau weiß, wovon du schreibst und weil ich genau nachvollziehen kann, was du durchgemacht hast.

    Auch ich habe mich für eine gewisse Zeit verloren. Jahre gingen ins Land und ich wollte doch auch einfach nur meinen Frieden, einfach nur normal sein … Daran bin ich fast zerbrochen und habe mich selbst aufgegeben. Ich wusste nicht mehr, wer ich war, habe mich nicht mal mehr im Spiegel erkannt. Ich habe hinein geschaut, wusste, das müsste ich sein, doch MICH habe ich nicht gesehen. Nur ein Mädchen, das mir überhaupt nicht ähnlich sah. Eine junge Frau, die ein Leben führt, das ich so nie wollte …

    2013 ist mein Jahr der „Befreiung“. Ich habe den Schritt in ein neues Leben gewagt und viele, viele Menschen kennengelernt, die mich bestätigt haben. Menschen hinter mir gelassen, die mir nicht gut getan haben, die mir einfach Schlechtes wollten. Ich bin immer noch dran, Menschen aus meinem Leben zu streichen, die mir die Energie rauben – umso schwerer fällt es, wenn die Gesellschaft einen fast dazu zwingt, mit diesen Menschen in Kontakt zu bleiben ….

    Aber wir gehen unseren Weg 🙂 Und es macht mich glücklich, deine letzten Zeilen zu lesen. Sie strahlen so viel Energie, so viel Willen und Wollen und Kraft aus, dass ich einfach nur lächeln kann und weiß: Ja, du schaffst das. Ich schaffe das. Wir schaffen das! 🙂

    Danke für diesen Artikel. Ich liebe diese Ehrlichkeit und deinen Mut, deine Geschichte so zu veröffentlichen 🙂

    Alles Liebe
    deine Tinka 🙂

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  4. Hallo liebe Tinka,

    ich danke dir sehr für deine lieben Worte! <3

    Auch wenn es mich beruhigt, dass ich nicht die Einzige bin, die diesen Weg gehen musste, macht es mich traurig, dass du fast dasselbe hinter dir hast. Und das sogar zu einem recht ähnlichen Zeitpunkt.

    Dieses Gefühl, sich verloren zu fühlen und sich im Spiegel nicht mehr zu erkennen, kenne ich nur zu gut, das hast du sehr gut beschrieben. Allein daran zu denken, tut manchmal noch ziemlich weh, aber gleichzeitig versuche ich die Stärke daraus zu ziehen, dass ich nun wirklich weiß, was ich will (bzw. nicht will^^).

    Es ist unglaublich hart, schwer und schmerzhaft, Menschen aus seinem Leben zu kicken, die dort nichts zu suchen haben. Manchmal geht es auch einfach nicht und man muss daran arbeiten, irgendwie einen Kompromiss zu schließen, was ich beinahe als schwieriger empfinde. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du es schaffst, irgendwie damit umzugehen! <3

    Ich hoffe sehr, dass du mit deinem Wissen richtig liegst 😉

    Es freut mich sehr, dass dir der Post / Artikel gefallen hat! <3

    Liebe Grüße,
    Sarah

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  5. Das ist jetzt glaub ich das 8. Mal, dass ich versuche einen Kommentar zu schreiben, aber ich finde keine Worte in meinen Hirnwindungen, die deinen auch nur annähernd gerecht werden können.

    Du hast meinen größten Respekt. Fürs Nicht-Aufgeben, Fürs Ehrlich-sein, für alles. Du hast letztens noch gesagt, ich sei stark. Nicht annähernd so stark wie du meine Liebe.

    Ich wünsche dir allen Erfolg der Welt und ich werde deine Bücher lesen, das Versprechen kann ich dir geben. Denn für mich bist du eine kleine Heldin, die viel zu sagen hat :). Und ich freue mich auf jede Idee und jeden Gedankenfetzen von dir. Keep on fighting!


    Liebe Grüße
    Insi Eule

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  6. Hallo liebe Insi,

    ich danke dir aus ganzem Herzen für deine lieben Worte. Du glaubst gar nicht, wie viel Kraft und Motivation sie mir geben und wie gut sie tun ♥

    Ich hoffe sehr, dass dir die Romane dann auch gefallen werden, hihi 😀 und du glaubst gar nicht, wie glücklich mich das Kompliment „Heldin“ macht ♥

    Ganz liebe Grüße,
    Sarah

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  7. Liebe Sarah,

    mir fehlen nach diesem Post ein wenig die Worte. Erst einmal hast du dir eine Menge Respekt dafür verdient, hier so offen darüber zu reden.
    Ich habe selber schon viele Dinge die du hier erläuterst in selbiger oder auch abgewandter Form erlebt und finde es mutig, wie du heute zu diesen Fehlern stehst und damit umgehst und welche Auffassung du mittlerweile davon hast, dass du dich zeitweise hast so einschränken lassen.

    Für dich gab es nie etwas anderes als das Schreiben und das merkt man auch sehr gut in diesem Post und es ist einfach schade, dass der Einfluss anderer Menschen uns sehr schnell dazu drängen doch etwas anderes zu tun als das, was wir eigentlich wirklich wollen. Nur, damit wir nicht ausgestoßen werden.
    Ich hätte nie gedacht, dass selbst deine Kommilitonen es so eigenartig fanden, dass du gerne schreibst und es gar nicht richtig ernst genommen zu haben scheinen.

    Ich bin so froh, dass ich in jungen Jahren an ein Schreibforum geraten bin, worüber ich so viele Menschen kennengelernt habe die mich verstanden haben und wo man sich wohlfühlen konnte wenn man sich traf, denen man von den neusten Fortschritten erzählen konnte, oder mit denen man von Charaktere geschwärmt hat.
    Schreiben ist doch ein so kreativer Prozess und doch kriegt man in den meisten Fällen zumindest eher dumme Sprüche oder uninteressierte Fragen. Schade, früher hatte Literatur noch einen gewissen Wert und es war positiv belesen zu sein. Heute wird man eher blöd angeguckt wenn man gefragt wird was man denn liest und man eine andere Antwort als eine Auflistung von Weltliteratur gibt. Weil das ist natürlich *Sarkasmus* die einzig wertvolle Literatur. Fantasy etc. ist ja nichts anständiges. *Augen verdreh*
    Aber ich glaube ich komme vom Thema ab.

    Mit dem Studium kam so viel Neues auf dich zu, dass du überhaupt versucht hast irgendeinen Weg zu finden um weiterzuschreiben zeugt doch schon davon, dass du es wirklich wolltest und dich mit dem eigentlichen Studium nur angepasst hast. Ich habe es nicht geschafft, als ich mein Studium angefangen habe, habe ich das Schreiben an den Nagel gehängt und kam erst jetzt wieder dazu, weil es mir irgendwann doch zu sehr gefehlt hat. Zwar habe ich eine kreative Sache mit der anderen ersetzt aber, das Schreiben war schon immer etwas besonderes und auch sehr persönliches für mich.

    Es ist so klasse, dass du so ehrlich bist und nicht aufgegeben hast. Damit bist du wirklich ein Vorbild für alle die, die vielleicht selber einmal in eine solche Situation kommen. Und selbst wenn Dinge schlecht gelaufen sind, kannst du jetzt deine Erfahrung daraus ziehen.

    Du gehst den richtigen Weg und mich hast du auf jedenfall als Leserin On-Board. Bitte höre nicht auf deinen Weg von nun an zu gehen. ♥

    Liebe Grüße,
    Alex

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  8. Liebe Alex,

    ich danke dir sehr für deinen lieben Kommentar ♥
    Es tut gut zu hören, dass es eine richtige Entscheidung war, diesen Weg offenzulegen und mit euch zu teilen.

    Es sind ja auch nicht mal unbedingt schlechte Einflüsse. Wenn Menschen, denen du am Herzen liegst, dir etwas raten, muss es nicht immer mit dem übereinstimmen, was du denkst. Das ist ja auch okay. Solange sie es gut meinen 🙂 aber das macht den gesamten (Selbstfindungs-)Prozess nicht unbedingt leichter… Gerade, wenn man noch so jung und unerfahren ist, wie ich es nach der Schule war.
    (Die Kommilitonen sind da nochmal ne andere Sache -.-)

    Es freut mich sehr, dass du durch dein Schreibforum so gute Kontakte knüpfen konntest, die dir geholfen haben! Leider funktioniert so ein motivierender Austausch meist nur mit Gleichgesinnten und den wenigen Außenstehenden, die Verständnis zeigen. Das ist traurig, aber immerhin gibt es so kleine Dörfchen der Sicherheit 🙂

    Irgendwie habe ich das Schreiben ja auch für einige Zeit abgeschrieben (ja, der war schlecht, sorry :D). Aber damit ging es mir von Tag zu Tag schlechter. Demnach ist das für mich kein Weg und keine Alternative. Ich bin nicht so weit gekommen, nur um an diesem Punkt zu stagnieren. Dazu hab ich zuviel reingesteckt. Also an allem.

    Deine letzten Worte haben mich gerade wirklich sehr berührt. Ich danke dir so sehr dafür und weiß das wirklich zu schätzen ♥ Ich hoffe, ich enttäusche nicht ♥

    Liebe Grüße,
    Sarah

    Gefällt mir

  9. Liebe Sarah,

    in deinem Post habe ich so viel von mir wiedergefunden, dass es schon beinahe erschreckend ist. Es sind zwar andere Gründe, weshalb ich zu schreiben angefangen habe und weshalb ich eine schwere Zeit hinter mir habe, aber ich kann dir nur sagen, dass ich jedes deiner Worte nachempfinden kann. Dass ich deine Leidenschaft verstehen kann, weil ich sie selbst ebenfalls spüre. Und dass auch ich viel zu lange versucht habe eine Person zu sein, die ich einfach nicht bin.

    Ich bewundere deine Stärke, wirklich. Und es stimmt: Wir wachsen an den Problemen, die sich uns in den Weg stellen. Und ja, vielleicht bin ich mein größter Feind, weil ich nicht über meine Vergangenheit hinwegkommen kann. Weil ich weder vergeben, noch vergessen kann, was andere mir angetan haben. Die Gefühle, die vor Jahren in mir geschwelt haben: Schmerz, Angst, Wut und letztlich auch Hass, sind immer noch da. Vielleicht muss ich lernen, mit mir selbst zu leben, um auch mit diesen Emotionen klarzukommen, doch vielleicht gibt es auch Dinge, die einen Menschen innerlich so sehr zerstören, dass nichts auf der Welt daran etwas ändern kann.

    Damit will ich nicht sagen, dass ich aufgebe, denn das Wort existiert in meinem Wortschatz nicht. Es geht nur darum, dass diese Zeit mich verändert hat. Mein Selbstbild hat sich verschoben, mein Vertrauen in andere Menschen ist praktisch nicht vorhanden. Mir geht es nur noch darum, mich selbst zu schützen, weil ich nicht weiß, wie viele Tiefschläge ich noch aushalten kann, ohne vollkommen daran zu zerbrechen. Es kostet nun mal Kraft, sich immer wieder aus dem Abgrund zu ziehen und ich glaube, irgendwann sind Körper und Geist einfach so ausgelaugt, dass es gar nicht mehr möglich ist.

    Umso bewundernswerter ist es, wie positiv deine Einstellung ist. Das finde ich wirklich klasse und ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du deinen Traum verwirklichen kannst. Es gibt nur wenige Menschen, die so leidenschaftlich über das Schreiben sprechen, dass man die Liebe dazu in jedem einzelnen Wort spüren kann.

    Und ganz ehrlich: Bis heute habe ich nicht verstanden, was einen Menschen dazu bringt einen anderen herabzusetzen und ihn zu zerstören, nur weil er anders ist. Ganz egal aus welchem Grund, es bleibt sinnlos und grausam.

    Ich kann übrigens auch verstehen, was du über dein Studium geschrieben hast. Bei mir kommt zwar noch ein anderer Grund hinzu, aber ich habe mich zwei Jahre lang genauso verloren gefühlt wie du, bis ich das Studium schließlich abgebrochen habe. Das war die schwerste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe, aber ich wollte wieder glücklich sein und frei.

    Ein wirklich toller Beitrag! Ich danke dir sehr dafür ❤

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  10. Liebe Jenny,

    vielen Dank für deinen langen, ehrlichen und offenen Kommentar!

    Auf der einen Seite finde ich es immer toll, wenn ich in den Kommentaren unter dem Post Sätze finde wie „ich kann mich in deinen Worten wiederfinden“, aber auf der anderen Seite ist es einfach nur traurig. Warum müssen wir uns so fühlen? Und uns in dieser Gesellschaft zu abkämpfen?

    Ich schwanke auch sehr oft zwischen „soll ich ich mich mit dem, was war, arrangieren?“ und „ich möchte es wirklich richtig verarbeiten, aber wie?“ und „es hat einige Teile in mir vollkommen kaputt gemacht“. Daher verstehe ich deinen Zwiespalt mehr als gut. Leider kann ich dir da keine zufriedenstellende Antwort geben. Zum einen, weil das jeder für sich entscheiden muss, weil ich dich nicht kenne und mir absolut nicht anmaße, in so einer Situation einen Ratschlag zu geben und weil ich selbst genauso in der Luft hänge wie du.

    Und was „irgendwann sind Körper und Geist einfach so ausgelaugt, dass es gar nicht mehr möglich ist“, kann ich dir ohne weitere Worte zustimmen. Darüber zerbreche ich mir, vor allem momentan, auch sehr den Kopf. Wie viel kann man aushalten? Schwierige Frage.

    Ich finde es grausam, dass wir, unabhängig davon, woran oder ob man glaubt, nur dieses eine Leben haben. Was bringt Menschen dazu, andere so schlecht zu reden, dass sie sich lieber verkriechen oder im schlimmsten Fall Selbstmord begehen? Jeder lebt und will doch auf ein angenehmes und erfülltes Leben zurückblicken. Davon nimmt sich wohl keiner aus. Es will einfach nicht in meinen Kopf 😦

    Ich danke dir sehr für deine motivierenden Worte und kann absolut nachempfinden, dass du das Studium abgebrochen hast. Mich kriegt keiner so schnell wieder in eine Uni. Bah.

    Ich wünsche dir von Herzen ebenso viel Erfolg und auch wenn es das Wort in deinem Wortschatz nicht gibt: Gib nicht auf. Halte durch. Bleib stark. Es wird sich lohnen. Da bin ich mir ganz sicher. <3

    Liebe Grüße,
    Sarah

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